Willkommen in Wildau
0 30/6 92 02 10 52 ← Zurückgehen

Mit Traumabitur lieber gehen als heilen

Geherin
Saskia Feige
E-Mail:saskiafeige@gmail.com

Auf dem Weg zum Erfolg

Stand: März 2020

Was tun mit einem Traum­abitur mit Notendurchschnitt 1,0? Da stehen einem jungen Mädchen alle Wege offen. Wohin soll es also gehen? Für eine Wildauer TH-Studentin ist das keine Frage: Es geht erst mal zu den Olympischen Sommerspielen!

Im Leben von Saskia Feige geht nämlich fast alles um Sport. Sie ist eine der großen deutschen Hoffnungen im Bereich Gehen. So war sie 2019 im glühend-heißen Doha unter den drei besten Europäerinnen und erreichte trotz der schwierigen Bedingungen den elften Platz. Vorher war sie mit 1:30,40 auf 20 Kilometer Deutsche Meisterin geworden. Sie hatte sich so die Olympiaqualifikation vorzeitig gesichert.

Traum vom Arztberuf
Diese Erfolge sind der von Geher-Legende Ronald Weigel trainierten Sportlerin keinesfalls in den Kopf gestiegen.
Obwohl sie schon wieder auf gepackten Koffern sitzt, kommt sie für einen Abstecher an ihre TH in Wildau. Dort zeigt sich die blonde zierliche Athletin gerne in Geher-Position. „Die Kommilitonen haben meine Sportkarriere vor allem dadurch bemerkt, dass ich so oft fehle“, schmunzelt sie.
Ihr Studienfach „Bioinformatik und Systembiologie“ hat sie deshalb ausgewählt, weil sie ursprünglich Ärztin hätte werden wollen. Das Abi hätte es mehr als hergegeben, doch wäre dann der Leistungssport nicht mehr möglich gewesen. „Mein Studium bildet eine Schnittstelle zwischen Medizin und Mikrotechnik. Dies wird nur in Wildau angeboten“, erklärt sie, warum sie sich für die TH hier entschied.
Studien­beginn war im Herbst 2018 zum Wintersemester. Ein Jahr später hat sie allerdings eine Pause eingelegt, „denn anders wäre die intensive Vorbereitung auf Olympia nicht möglich“, schildert sie.
Schließlich ist ihr großes Ziel, unbedingt unter die ersten zehn zu kommen.

Freude an Ausdauer
Zum Gehen kam Saskia Feige erst auf Umwege. Vorher überzeugte sie als Läuferin, wo sie sich auf 800 Meter und 1 500 Meter spezialisierte. Sie war so gut, dass sie an der Sport­schule in Potsdam genommen wurde. „Dort kam ich mit Gehen in Berührung. Dieser Ausdauersport faszinierte mich derart, dass ich mich zum Wechsel in diese Disziplin entschloss“, gibt sie Auskunft. Es ging mit Gehen in der Halle los, doch das war ihr schnell zu öde: „Dutzendmal im Kreis zu laufen ist nicht so prickelnd.“ Straßengehen findet sie hingegen hochinteressant, weil es viel Abwechslung bedeutet. „Jede Strecke ist anders“, strahlt sie. Allerdings heißt es, bei Schnee und Regen ebenso unterwegs zu sein wie in der Wüstenhitze von Doha: „Das Problem dort war neben der Temperatur von 33 Grad die hohe Luftfeuchtigkeit von an die 80 Prozent. Dafür haben wir vorher auf dem Laufband in einer Hitzekammer trainiert. Die Luftfeuchtigkeit wurde simuliert, indem wir feuchte Handtücher aufgehängt hatten.“

Weltmeisterin im Kofferpacken
Mal sehen, wie weit sie bei Olympia kommt. Anschließend wird sie jedenfalls wieder häufig in der Dahmestadt zu sehen sein, denn dann hat sie den Ehrgeiz, ihr Studium zu Ende zu bringen. Dabei hat sie neben WM und EM schon wieder eine Stadt im Blickfeld: „Ganz klasse wäre es, wenn ich bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 ebenfalls dabei sein könnte“, nennt sie als weiteren Traum.
Das Privatleben muss dann wohl weiter zurückstehen: „Wer möchte schon einen Partner mit so wenig Freizeit haben, der ständig unterwegs ist? Jedenfalls bin ich mittlerweile Weltmeisterin im Koffer­packen!“