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Jugendliche aus der Oberschule treten in einzigartigem Projekt am Staatstheater Cottbus auf

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Musiklehrerin
Norienne Olberg
Telefon:01 76/62 86 56 80

Großes Theater aus Wildau

Stand: März 2020

Wildauer machen Profi-Theater: Erstmalig wird am Staatstheater Cottbus ein Musical aufgeführt, in dem neben dem professionell geführten „Kinder- und Jugendchor“ Mitspieler ohne jegliche Theatererfahrung aus der Oberschule in Wildau zu sehen sein werden!

Damit macht die junge Stadt bundesweit Schlagzeilen!

Singen für die Stars
Dafür sorgt die junge Musiklehrerin Norienne Olberg. Die erst 32-Jährige ist in dem renommierten gut 110 Autokilometer entfernten Staatstheater seit ihrem 24. Lebensjahr für den „Kinder- und Jugendchor“ zuständig. Dieser wird vielfach bei großen Opernproduktionen eingesetzt. „Wir traten damit in ‚Carmen‘ auf, waren ‚Im weißen Rößl‘, in ‚Turandot‘, ‚Peer Gynt‘ und in ‚Hänsel und Gretel‘ zu sehen. Dazu kommen der jährliche ‚Winterzauber zum Fest‘ an Weihnachten und demnächst ‚Othello‘. Zudem hatten wir die eigene Produktion ‚Flüchtling‘ auf die Beine gestellt, an der Schulen aus Cottbus mit beteiligt waren. Diese war ein derart großer Erfolg, dass ich von Kollegen aufgefordert wurde, nochmal etwas Ähnliches zu machen. Dazu könnte man sich für eine Förderung aus dem Programm ‚Kultur macht stark‘ des ‚Bundesministeriums für Bildung und Froschung bewerben“, fasst Norienne Olberg zusammen.

Bundesweit spitze
Ihre Idee, dazu Kinder aus der „Ludwig-Witthöft-Oberschule“, wo sie Musik unterrichtet, einzusetzen, traf beim „Deutschen Bühnenverein“, der für die Antragsprüfung zuständig war, auf große Skepsis.
„Denen war die große räum­liche Entfernung ein Dorn im Auge“, so die Erinnerung.
Doch dann die Wende: „Wie wir erst nachträglich erfuhren, hatten wir uns gegen die Bewerbungen von allen anderen Theatern und Schulen in Deutschland durchgesetzt. Wir bekommen nun die höchste Fördersumme, die jemals ausgegeben wurde, nämlich über 100 000 Euro“, weiß Norienne Olberg.

100 Stimmen
Sie hatte sich zusammen mit der befreundeten Regisseurin Franziska Guggenbichler Beck das Stück „Warehouse-Life“ herausgesucht.
Es wird in veränderter Form als „100 Stimmen: ein musikalisches Kaufhausspektakel“ zu sehen sein.
„Das Original stammt aus den 1970-er Jahren und wurde von Fritz Grasshoff und Peter Seeger geschrieben. Der große Vorteil ist, dass es aus zehn Szenen besteht, die wahllos miteinander verbunden werden können. Dadurch war es möglich, eigene weitere Szenen hinzuzufügen, die wir an der ‚Ludwig-Witthöft-Oberschule’ und in Cottbus erarbeitet haben“, fasst Norienne Olberg zusammen. „Unsere Schulleiterin Cornelia Schütz hat uns immer voll unterstützt“, strahlt sie. Hier kommt die Region übrigens gleich mehrfach zum Zuge, denn die musikalische Umrahmung erfolgt durch ein Instrumentalensemble der musikbetonten „Paul-Dessau-Gesamtschule“ im benachbarten Zeuthen. Es wird von Cordula Heymann. geleitet. Diese ist zusammen mit Norienne Olberg und Ehemann Jan Olberg für die musikalische Gesamtleitung verantwortlich.

Gala in Wildau
Die Premiere ist für den 13. Juni 2020 um 18 Uhr in der Kammerbühne Cottbus vorgesehen. Einen Tag später ist das Stück dort um 16 Uhr zu sehen. Weitere Vorstellungen sollen am darauffolgenden Wochenende folgen.
„Wir hätten gerne ebenfalls im Volkshaus gespielt, aber das war dem Staatstheater zu teuer. Es hätte enorm viel an Technik und Personal bereitgestellt werden müssen, was eine fünfstellige Eurosumme verschlungen hätte. Stattdessen gibt es einen kostenfreien Bus zu den beiden Vorstellungen am Wochenende in Cottbus. Zudem werden die Eintrittskarten gratis ausgegeben. Vorher können sich die Wildauer mit einer ‚Gala‘ und dem ‚Best of‘ im Volkshaus auf das Stück einstimmen. Dabei werden die wichtigsten Bestandteile wie der ‚Käsewalzer‘ und der selbstgeschriebene ‚Hustchor‘ zu erleben sein“, machen Norienne Olberg und ihre Chormanagerin, die erst 16-jährige Schülerin Lisann Klinkert, neugierig. Der Termin kann telefonisch erfragt werden.

Talent erkannt
Dabei macht sie keinen Hehl daraus, dass ihre Musiklehrerin ihr großes Vorbild ist.
Das ist durchaus berechtigt, denn Norienne Olberg kann auf eine steile Karriere verweisen. Sie liebte seit Kindheit die Musik, übte sich im Gesang, am Klavier und an der Gitarre. Um ihre musikalische Begabung weiter auszuleben, ging sie ans private „Villa Elisabeth Gymnasium“. „Da waren wir im Chor allerdings nur zu viert“, musste sie ihren Irrtum bald einsehen. Entgegen aller Befürchtungen wurde sie am renommierten „Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium“ in Berlin sofort aufgenommen.
„Die erkannten mein Talent. Sie nahmen mich, obwohl mir sämtliche Grundlagen fehlten.“ Chorleiter dort war Jan Olberg, der später ihr Mann werden sollte.

In Chorleiter verliebt
„Er hätte mich damals gnadenlos durchfallen lassen, war aber zum Glück nicht für die Eignungsprüfung zuständig“, schmunzelt Norienne Olberg. Sie landete anschließend für ihr Studium auf der BTU Cottbus: „Ich wollte natürlich erst unbedingt auf die UdK oder HfM Hanns Eisler. Nach kurzer Zeit war ich in Cottbus so glücklich, dass ich nicht mehr weg wollte. Dort herrscht eine sehr kollegiale Atmosphäre, während es woanders ein ständiges Stechen und Hauen gibt.“
Noch während des Studiums bekam sie Möglichkeiten, im Staatstheater mitzuwirken, hatte aber zudem Engagements in Rheinsberg. Dennoch war sie völlig überrascht, als ihr die Leitung des renommierten „Kinder- und Jugendchors“ angeboten wurde. „Ich traute mir das einfach nicht zu, doch mein Mann sagte: ‚Du machst das jetzt!‘ Damit hatte er recht.“

Zernsdorf mit Oma
Mittlerweile hat die Familie das nahe Zernsdorf als neue Heimat für sich entdeckt.
Zum Glück gibt es dort Oma und Opa, denn sonst wäre es für die rastlose Musikerin, die unter anderem den Chor der TH Wildau leitet und bei den „Wildauer Zupfmusikanten“ aktiv ist, noch schwieriger, sich um ihre Jungs im Alter von vier und fünf Jahren und den Beruf zu kümmern. Dass sie ein großes Herz für Kinder hat, beweist sie mit ihrem auf­sehenerregenden Theater­projekt. Denn Antriebsfeder für den immensen Aufwand ist, „den hiesigen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen“.
Schließlich muss man sich beim Theater bei jeder Vorstellung neu bewähren!