Willkommen in Wildau
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Raketenschnell auf dem Wasser!

Rennbootfahrer
Jens Westphal
Telefon:0 15 23/7 36 11 43

Rennboot statt Angelkahn

Stand: März 2018

Mit 120 Stundenkilometer auf dem Wasser? Bootsfreunde reiben sich hier erstaunt die Augen. In Wildau gibt es exakt einen einzigen Sportler, der sich das traut!

EM, WM, Internationale Deutsche Meisterschaften: Jens Westphal, 48, fährt erfolgreich mit. Dabei hat der Wildauer das rasante Hobby erst vor ein paar Jahren entdeckt. Er ist an sich ein gemütlicher Mensch und hat das Wasser vorher insbesondere als Angler auf der Dahme erlebt.

Gemütlich im Kahn
„Da sitzt man in einem Kahn, genießt die Natur. Wenn mal ein Fisch anbeißt, ist es ein Erfolg. Ich habe aber nur ein paar Plötze gefangen, die ich wieder zurück ins Wasser beförderte. Ich esse keine selbstgefangenen Fische.“
Ausgerechnet dieses gemüt­liche Hobby brachte ihn zur Fachmesse „Boot & Fun“.
„Nachdem ich zwei Stunden die Angelsachen durchstöbert hatte, fiel mir ein Rennboot ins Auge, das hier ausgestellt war. Der Mann, der das präsentierte, stellte sich als der Berliner Pilot Uwe Brettschneider heraus. Er erzählte mir, wie er selbst zu diesem Sport gekommen ist und machte mich neugierig.“

Rennfieber auf dem Wasser
Der Wildauer hatte Feuer gefangen: „Ich bemühte mich um eine Lizenz. Da ich bisher nur im Angelkahn unterwegs war, habe ich ja nicht mal einen Bootsführerschein“, blickt er zurück. 2010 ging es los. Das erste Rennboot machte selbst ihm etwas Angst: „Es war eine leichte Sperrholzkonstruktion, die mit einer dünnen Kunststoffschicht aus Glasfieber eingefasst war. Damit ist das Boot extrem leicht und erreicht mit einem 40-PS-Serienmotor Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometer. In voller Fahrt schwebt man über dem Wasser. Nur der Propeller hat damit Berührung“, schildert Formel-Pilot-Westphal den Hintergrund. „Bei dieser Geschwindigkeit ist die Sicht minimal, so dass man immer einen Betreuer an Land mit hat, der als ‚Radioman’ über Funk entsprechende Anweisungen gibt. Wie beim Formel Eins-Autorennen gilt es, nach dem Start eine optimale Position zu erreichen. Ein Rennen hat bis zu 20 Runden, von denen jede zwischen 1 200 und 1 500 Meter lang ist. Man fährt etwa 30 Minuten“, so Jens Westphal weiter.

Ehefrau mit „im Boot“
Nachdem ihn das Rennfieber gepackt und er Ehefrau Sabine Westphal überzeugen konnte, begann ein schneller Aufstieg. 2012 gelang es ihm auf der Regatta­­strecke Grünau den ersten Heimsieg beim „ADAC Motorboot Grand Prix“ zu erringen. Vorher hatte er bei einem ähnlichen Rennen auf dem Halbendorfer See den beachtlichen dritten Platz erreicht. Damit konnte Westphal in die „Formel 4“ aufsteigen. Spätestens bei der WM 2015 auf der Seine im französischen Epinay musste er erkennen, dass sein Boot einfach zu langsam war. Das war mehr als hart, denn der Empfangsmitarbeiter bei RTL in Berlin finanziert seinen Sport aus eigener Tasche: „So ein Boot kostet gut 20 000 Euro. Dazu kommen noch Transport und Aufenthalt bei den Wett­bewerben sowie die Start­gelder.“

Neu aufgestellt!
Dennoch leistete er sich einen Katamaran aus Finnland. „Das ermöglicht höhere Kurven- und mehr End­geschwindigkeit“, hofft er auf sichtbare Erfolge 2018. „Ich werde an den Internationalen Polnischen Meisterschaften, den Internationalen Deutschen Meisterschaften und Rennen in Frankreich teilnehmen. Zudem ist die EM- und WM-Teilnahme in Planung. Mein Traum wäre die Teilnahme an Langzeitrennen wie den ‚24-Stunden von Rouen‘, die es in Anlehnung an das 24-Stunden-Autorennen von Le Mans auf dem Wasser ebenfalls gibt.“

Mehrere Jobs für den Sport
Um sich die Siege leisten zu können, schuftet der Wildauer wie ein Wilder: „Ich mache zwei oder drei Jobs. Meine Frau arbeitet ebenfalls, als Verkäuferin“, gibt er Einblick, weshalb er händeringend nach weiteren Sponsoren sucht. Mittlerweile gehört die Stadt Wildau dazu.

Kapriolen in der Luft
Ähnlich wie bei Straßen­rennen geht es auf dem Wasser ebenfalls mitunter gefährlich zu: „Ich hatte schon einmal einen schweren Unfall. Das Boot hob vollständig aus dem Wasser ab, drehte sich um seine eigene Achse. Ich hatte noch Glück und landete entgegen der Fahrtrichtung am flachen Ufer. Auf der anderen Seite wäre es schlimm ausgegangen, denn dort war eine massive Spundwand.“

Kein Training auf der Dahme
Zum Trainieren muss Jens Westphal in die Ferne. So zieht es ihn oftmals nach Stettin ins Oderhaff: „Auf der Dahme und den Seen in unserer Region sind derartige Geschwindigkeiten nicht zugelassen. Außerdem darf ich dort ohne Bootsführerschein keinen so großen Motor betreiben.“
Damit bleibt das Wasser­erlebnis zuhause nach wie vor auf den Angelkahn beschränkt!