Willkommen in Wildau
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Wieder mal Rettung in letzter Minute!

Sportverein „Motor Wildau“
Jan Claus
Telefon:0 33 75/50 79 06
Website:www.svmotorwildau.de

Vom Rad auf den Barren!

Stand: März 2018

Ausgerechnet ein Radsportler will in Wildau, wo dieser Sport lange Zeit intensiv gepflegt wurde, nun dafür sorgen, dass sich das Rad des Breitensports hier endlich wieder kontinuierlich rund dreht. In der fürs Schwimmen ebenfalls sehr bekannten Dahmestadt soll dafür aber eine ganz andere Sportart auftauchen.

Wer Wildau hört, denkt noch vielfach an die Radsportlegende Paul Dinter und an den Schwimmer Frank Wiegand, der bei Olympia Silber erreichte. Beide hatten viel mit dem traditionsreichen Sportverein zu tun, der heute „Motor Wildau“ heißt.

Viele Stars
Dinter krönte seine Karriere mit den aufsehenerregenden Erfolgen bei den Friedensfahrten und als Kapitän der DDR-Nationalmannschaft. Er war Mitglied in der 1950 gegründeten Betriebssport­gemeinschaft des Wildauer Schwermaschinenbaus. Anita Kuhlke trainierte ebenfalls in Wildau. Sie war vierfache Europameisterin im Einerrudern. Später führte mit Frank Wiegand ein Rekord-Spitzensportler den Verein. Er hatte mehrmals olympisches Silber für die DDR im Schwimmen errungen und 1967 einen Welt­rekord über 400 Meter Freistil aufgestellt.

Davon geschwommen
Als er den Vorsitz niederlegte, geriet „Motor Wildau“ ins Straucheln. Ausgerechnet die Schwimmer schwammen dem Verein davon. Die kleinere Prellball-Abteilung machte sich ebenfalls selbstständig. „Das alles hätte so nicht sein müssen“, bedauert der neue Vorsitzende Jan Claus, der im Januar 2018 den eigenen runden 50. Geburtstag feierte. Er hat mit der Bereitschaft, sich an die Spitze wählen zu lassen, den Verein gerettet. Denn Vorgänger Wolfgang Laute war „Vorsitzender wider Willen“, der fest entschlossen war, sein Amt aus Altersgründen nach den regulären drei Jahren nicht mehr auszuüben.
Wieder einmal stand „Motor Wildau“ also 2017 kurz vor einem angedrohten Aus durch Auf­lösung mangels Vorstand!

Im Sport aufgewachsen!
Rettender Engel wurde nun Jan Claus, der im Verein die Abteilung Turnen führt. Er bewies viel Sportlichkeit, als er sich breitschlagen ließ, neuer „Vorturner“ für den mitgliederstarken Traditionsverein zu werden. Zum Glück hat der Wildauer seit 1994, der im benachbarten Schönefeld aufgewachsen ist, viel Sinn für diesen Bereich, ist er doch mit Sport „aufgewachsen“. Er galt als Jugendlicher als eine der Rennrad-Hoffnungen der DDR. „Ich wurde vom neunten Lebensjahr an auf eine Karriere in diesem Sport vorbereitet. Leider platzte der Traum mit 18 Jahren, weil ich damals als ‚zu klein’ eingestuft wurde.“

Turner-Familie
Ehefrau Susanne Claus hatte ebenfalls viel Sinn für Sport: „Sie war seit Kindesbeinen als Turnerin aktiv“, schwärmt Jan Claus. Die Kinder Paula Claus, heute 20 Jahre alt, und der vier Jahre jüngere Sohn Luis Claus ließen sich von Mama anstecken. Papi wurde schließlich bei „Motor Wildau“ Leiter der Abteilung Turnen.
Und siehe da, ausgerechnet diese Disziplin, für die Wildau überhaupt nicht bekannt ist, begann sich plötzlich rapide zu entwickeln: „Wir haben hier Kinder ab drei Jahre und Senioren, die über 80 sind“, gibt Jan Claus Einblick. „Als Radsportler weiß ich, dass Turnen ein idealer Sport ist. Damit werden Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Konzentration geschult. Das ist eine gute Voraussetzung für jede Sportart.“ Luis Claus kann das nur bestätigen, denn er ist mittlerweile bei den „Netzhoppers“ in Königs Wusterhausen aktiv, die Bundesliga-Volleyball spielen.

Auf dem Weg zur Talentschmiede?
Als Jan Claus mit dem neuen Talentförderverein „Turn­manufaktur“ mit Sitz in Berlin in Kontakt kam, war er sofort begeistert: „Deutschland hat ja im internationalen Vergleich im weiblichen Leistungsturnen seit langem keine Erfolge erzielt. Deshalb setzt dieser ‚Förderverein Leistungsturnen in Nordostdeutschland e.V.’ hier an. So sollen regionale Turnvereine unterstützt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass Wildau bald eine wichtige Funktion einnehmen könnte“, erklärt er, wie hier eine Kaderschmiede für Bockspringen, Barren und verwandte turnerische Disziplinen entstehen könnte.

Gebremste Dynamik
Leider steht dem ein großes Problem entgegen: „Uns fehlen Trainingsmöglichkeiten. Es ist sehr bedauerlich, dass hier die Stadtverordnetenversammlung nur diskutiert, anstatt endlich zu entscheiden. Aus meiner Sicht wäre ein Anbau an das Wildorado die optimale Lösung. Damit würde dieser Standort als Sport- und Freizeitzentrum weiter gestärkt. Dann hätten wir eine gute Erreichbarkeit für die Grundschule und für die private Schule ‚Villa Elisabeth‘, mit der wir ebenfalls kooperieren.“

Klettern und Laufen?
Also haben erst mal hallenferne Zukunftspläne Aussicht auf Erfolg: Dazu gehört die Idee einer Laufgruppe zusammen mit der TH Wildau.
„Außerdem haben wir in Wildau eine Boulderhalle. Man könnte also eine Klettergruppe ins Leben rufen“, nennt Jan Claus als weitere Idee. Der hauptberufliche Ostdeutschland-Vertriebsleiter für einen international tätigen Büromaschinenhersteller nimmt die neue Aufgabe sehr ernst, obwohl er andererseits durchaus für viel Spaß zu haben ist.

Heiße Liebe beim Karneval
So verdankt er das private Glück dem Karnevalsverein im benachbarten Königs Wusterhausen. Dort hat der tanzfreudige Ex-Sportler, der in der Garde und im Männerballett brillierte, seine heutige Ehefrau kennen- und lieben gelernt. Die Erzieherin überzeugte als heiße Showtänzerin! Bei Motor Wildau hingegen ist es Jan Claus weniger nach Show zumute: Stattdessen setzt er auf Zusammen­arbeit. „Ich bin froh, mit Cathrin Homann eine überaus engagierte Kassenwartin an der Seite zu haben.“
Weiter im Führungsgremium sind der frühere Vorsitzende Wolfgang Laute sowie Kathrin Brüsewitz als Jugendwartin. Damit hofft Jan Claus, dass es im Verein dauerhaft rund läuft.