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Neue TH-Präsidentin Professorin Ulrike Tippe will Zukunftsweichen stellen

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TH Wildau
Professorin Ulrike Tippe
Adresse:Hochschulring 1, 15745 Wildau
Telefon:0 33 75/50 83 00
Website:www.th-wildau.de

Neue Arbeitswelt

Stand: März 2018

Sitzen wir schon bald einem Roboter als Kollegen gegenüber? Wie kann man als Mensch damit zurechtkommen?

Fragen dieser Art beschäftigen die neue Präsidentin der TH Wildau. „Alle sprechen von der Digitalisierung. Eine zentrale Aufgabe für Hochschulen besteht darin, Studiengänge anzubieten, die bestmöglich auf die zukünftige Arbeitswelt vorbereiten. Diese wird sich sehr von der heutigen unterscheiden“, beschreibt Professorin Ulrike Tippe eine ihrer Zukunftsvisionen.

Zu wenig bekannt?
Deshalb steht für die Berliner Mathematikerin unter anderem die Überprüfung des Studienangebots an wichtiger Stelle: „Wir werden unsere Studiengänge kritisch unter die Lupe nehmen und bei Bedarf neu aufstellen“, kündigt sie an. Insgesamt hat sich die seit Dezember 2017 amtierende für sechs Jahre gewählte neue Präsidentin der TH Wildau vorgenommen, die Hochschule überregional bekannter zu machen: „Westlich vom Bundesland Brandenburg sind wir kaum ein Begriff. Das muss anders werden. Wir haben in der letzten Zeit rückläufige Studierendenzahlen zu verzeichnen. So sind wir erheblich unter die Marke von 4 000 Studierenden gerutscht.“

Neue Wege
Um wieder mehr Studierende zu gewinnen, möchte die neugewählte Präsidentin manches Neuland betreten. Eine Idee ist, Personen, die im Beruf stehen, einen flexibleren Zugang zu Wissen und Qualifikationen zu ermöglichen.
Das möchte sie zum Beispiel mit der Möglichkeit von modularer Weiterbildung, die durchaus berufsbegleitend erfolgen kann, erreichen. Sie ist auf diesem Gebiet Spezialistin. So war sie für einen Fernstudienbrückenkurs Mathematik vor über 18 Jahren an die TH Wildau gerufen worden: „Heute muss man sich ständig weiterbilden. Es gibt bei uns viele interessante Einzelbausteine, die einen Studiengang ausmachen. Ich möchte, dass man diese selektiv buchen kann und entsprechende Zertifikate erhält. Diese könnten bei einem späteren Studium anerkannt werden.“

Kuba und Brasilien
Professorin Ulrike Tippe will den Weg der internationalen Ausrichtung konsequent weitergehen: „Dabei sollten wir den Blickwinkel erweitern. Bisher gibt es sehr viele Kooperationen mit osteuropäischen Hochschulen. Ich würde gerne den Blick verstärkt nach Westen richten. Es ist wichtig, dass unsere Studierenden noch mehr Möglichkeiten für ein oder mehrere Auslandssemester bekommen. Hier sehe ich Ansatzpunkte in ganz unterschiedlichen Ländern. Dazu gehört Kuba, das sich gerade öffnet. Trotz schwieriger Wirtschaftslage gibt es hier Hochschulen mit beein­druckendem Niveau.“
Ein anderes Land, das sie im Blick hat, ist der „Tigerstaat“ Brasilien. Professorin Ulrike Tippe kennt das größte Land von Südamerika aus eigenem Eindruck: „Klar ist, dass es vielen schwerfällt, Portugiesisch zu lernen. Damit habe ich ebenfalls so meine Schwierigkeiten. Doch im Wissenschaftsbereich kommt man mit Englisch gut zurecht.“

Muskeln stärken!
Auf der anderen Seite soll die TH Wildau weiter attraktiv für internationale Studierende werden: „Dazu müssen wir mehr Studiengänge auf Englisch anbieten. Die entsprechenden Sprachkenntnisse unserer Mitarbeiter sowie der Lehrenden müssen weiter ausgebaut werden.“
Insgesamt sieht sie als Auf­gabe, die „Muskeln der TH Wildau“ zu stärken.
„Wir sind schnell gewachsen. Jetzt müssen unsere Strukturen und Prozesse ausgebaut und gefestigt werden.“

Kinder und Campus
Dafür müsse die TH als Arbeitgeber attraktiv sein. So werden flexible familienfreundliche Arbeitszeiten in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Studierende mit Kindern sollen ebenfalls unterstützt werden. „Wir sind nach wie vor eine Pendler-Hochschule. Viele kommen aus Berlin und Orten in Brandenburg. Ich würde mir wünschen, dass es auf unserem Campus etwas lebendiger zugeht. Er soll sich noch mehr zum Lern- und Lebensort entwickeln. Das Studentenwerk Potsdam wird voraussichtlich 2019 mit dem Bau eines weiteren Wohnheims auf dem Campus beginnen. Doch um Absolventen länger an die Region zu binden, wäre es gut, wenn Studierende in der Region mehr ‚normale’ bezahlbare Wohnungen mieten könnten. Wenn jemand ein schönes Zuhause hat und sich insgesamt wohl fühlt, ist die Motivation, sich in der Region Arbeit zu suchen größer als wenn das Zimmer im studentischen Wohnheim nach Studienabschluss geräumt werden muss.“
Wie wichtig es ist, Studium und Familie zusammenzubringen, kann die TH-Präsidentin aus eigener Erfahrung nachempfinden: „Ich habe während meiner Promotionszeit mein erstes Kind bekommen. Das war damals, Ende der 1980-er Jahre, nicht ganz einfach.“

Mathe in den Genen
Professorin Ulrike Tippe ist Berlinerin aus Lichtenrade, die auf eine lange Ahnenreihe mit Mathematikern zurückblickt. Die geht bis hin zum Urgroß­vater. „Dessen Tochter, meine Großmutter, hat in den 1920-er Jahren als eine von wenigen Frauen in Berlin Mathematik studiert. Dabei hat sie ihren Mann kennengelernt, der natürlich ebenfalls Mathematiker war“, schmunzelt sie.
Sie erinnert sich, auf dem Werner-von-Siemens-Gymnasium im Zehlendorfer Ortsteil Nikolassee viel Spaß mit dem Jonglieren von Zahlen gehabt zu haben. „Andererseits war ich sportbegeistert. Insbesondere Tennis und Basketball haben mich fasziniert. Außerdem hatte ich eine große Vorliebe für Sprachen. Zudem spielte ich Klavier und Flöte. Als ich als Schülerin in der neunten Klasse Nachhilfeunterricht für jüngere Jahrgänge geben sollte, erkannte ich, dass das gerade in Mathematik viel Spaß macht. Als die ersten Erfolge sichtbar wurden, war das für mich etwas ganz Wunderbares.“

Allein vor lauter Männern!
So studierte Ulrike Tippe Mathematik und Sport, um Lehrerin zu werden. „In der Mitte meines Studiums wurde mir klar, dass es dafür keine Berufsperspektiven gibt. Berlin stellte in den 1980-er Jahren keine Lehrer ein. Also legte ich Sport ab, nahm Astronomie zur Mathematik dazu und studierte auf Diplom“, blickt sie zurück. „Noch während ich die Doktorarbeit schrieb, bekam ich einen Lehrauftrag an der ‚Technischen Fachhochschule’ in Berlin, die heute ‚Beuth Hochschule‘ heißt. Ich war damals 26 Jahre alt und stand vor angehenden Ingenieuren, die alle älter als ich und alle männlich waren. Das war eine sehr lehrreiche und gute Erfahrung. Hier ist mir bewusst geworden, welch wichtige gesellschaftspolitische Bedeutung Fachhochschulen besitzen.“
Als selbstständige Beraterin und Dozentin hatte sie damals noch keine Berührungspunkte mit Wildau gehabt.

„Wo ist Wildau?“
„Als ich 1997 einen Anruf von der damaligen TFH Wildau bekam und gefragt wurde, ob ich dort einen Lehrauftrag im Fernstudium annehmen würde, wusste ich zunächst gar nicht, wo Wildau genau liegt“, erinnert sie sich an den ersten Kontakt mit der Hochschule. Seitdem hat sich viel getan, in der Hochschule sowie in der Stadt und der Region.
Nach wie vor würde sie als Präsidentin gerne noch unterrichten, allerdings fehlt ihr dafür nun die Zeit: „Ich hoffe, nach einem Jahr wieder ein wenig in den Hörsaal zurück zu kommen. Vielleicht, um Mathematik zu unterrichten, denn da verändert sich zumindest in den Grundlagen die Welt nicht so schnell wie in meinem ursprünglichen Berufungsgebiet ‚Electronic Business Anwendungssysteme’. Schließlich bleiben Zahlen immer Zahlen“, gibt sie Einblick in ihre Zukunftspläne.

Blick in die Ferne
Mehr Überraschung als aus der Mathematik kann aus dem Weltraum kommen, den die gelernte Astronomin ebenfalls im Visier hat: „Der Blick in diese Weiten zeigt uns Menschen immer wieder, wie klein wir eigentlich sind. Dies relativiert das eine oder andere.“